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Der Dessauer Tilo Frisch holt bei der Veteranen-WM in Finnland nach drei klaren Siegen die Goldmedaille. Ohne Punktverlust zum ersten Weltmeistertitel
VON CHRISTIAN KATTNER
DESSAU/MZ - "Ein Weltmeister hatten wir noch nie." Dieser Satz von Winfried Gehrke hat mit dem vergangenen Samstag seine Gültigkeit verloren. Ein Höhepunkte in der Geschichte des Dessauer Ringerclubs, aber vor allem für Tilo Frisch. "Weltmeister, das realisiert man erst ein paar Tage später", sagt der 51-Jährige. Gemeinsam mit einer kleiner Reisegruppe aus Dessau hatte sich Frisch vergangene Woche auf den Weg nach Helsinki gemacht. Nach Bronze vor zwei Jahren war eine Medaille das erklärte Ziel. "Die wollen die anderen aber auch gewinnen", wusste Frisch. Eigentlich wäre mit Sven Nickel ein zweiter Dessauer bei den Welttitelkämpfen der Veteranen am Start gewesen. Doch ein Rippenbruch machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Und so fand sich Nickel gemeinsam mit Lothar Schneider, Präsident des Dessauer Ringerclubs, und Winfried Gehrke im Betreuerstab wieder. "Die drei waren ganz wichtig für mich", erzählt Frisch. Massagen, Gespräche vor sowie während den Kämpfen, die Führung der Kamera - wichtige Aufgaben, die abgedeckt werden mussten. Schließlich wartete bereits um 7 Uhr morgens mit dem Lokalmatadoren Hannu Tervo der Weltmeister des Jahres 2007. "Tilo ging sehr konzentriert in den Kampf und hat eindeutig nach Punkten gewonnen", beobachtete Winfried Gehrke am Mattenrand, "dieser Sieg war für ihn ganz wichtig." Und natürlich ein gelungener Auftakt in den Wettkampf, der Schwung gab für die weiteren Duelle. Und da wartete in der zweiten Runde der Türke Hasan Fehmi Akyildiz. "Der hat mir gut gelegen", schaut Frisch zurück. Mit 7:0 ging die erste Runde ganz klar an den Dessauer. Doch es gab auch Schock zu verdauen. Auf einer benachbarten Matte verstarb während eines Kampfes ein amerikanischer Ringer. Alle Reanimationsversuche blieben erfolglos. "Da stand plötzlich der ganze Wettkampf auf der Kippe", erinnert sich Frisch. Nach einer 20-minütigen Pause und einer Trauerminute entschieden sich die Veranstalter nach Rücksprache mit dem amerikanischen Betreuerstab für eine Fortsetzung der Weltmeisterschaft. "Damit umzugehen, ist natürlich nicht einfach, aber man muss das dann irgendwie wegstecken", beschreibt Tilo Frisch die Situation. Frisch konnte das Gesehene irgendwie wegstecken. Auch nach Wiederaufnahme seines Kampfes gegen den Türken hatte sein Gegner nicht den Hauch einer Chance. Frisch hatte das Finale erreicht, Silber war bereits sicher. "Ich wusste, dass ich den Weißrussen im letzten Kampf schlagen kann", war sich der Dessauer vor dem letzten Gang auf die Matte bewusst. Erneut ohne Punktverlust behielt Frisch auch im Finale die Oberhand. Das anschließende Gefühl auf dem Podest könne er noch immer nicht beschreiben. Seine nächsten Ziele schon eher: "Da steht jetzt erst einmal die Saison in der Oberliga an. Da möchte ich mit der Mannschaft auf das Podest." Aber im Medaillensammeln kennt sich Tilo Frisch ja spätestens seit vergangenen Samstag aus.